Manchmal kommt es vor, dass sich der richtige Einsatzbereich eines technischen Gerätes erst über die Zeit entwickelt. Manchmal müssen dafür mehrere Dinge passieren und auf einmal bekommt ein Gerät einen Zweck, an den man vorher vielleicht noch gar nicht gedacht hat. Wie auch? Schließlich haben ja noch ein paar kleine Zwischenschritte gefehlt. Man macht am besten doch eben einen Schritt nach dem anderen. Warum ich das erzähle? Weil es bei mir genau so mit dem iPad Pro war.

Als Apple das erste iPad ankündigte, dachte die Welt noch: „Wer braucht denn sowas?“. Das wird niemals einen richtigen Rechner ablösen. Heute wirbt Apple mit dem Zubehör des IPads für den Computer der Zukunft. Und wenn wir uns ganz ehrlich fragen, kennen wir wahrscheinlich alle sehr viele Menschen in unserem Umfeld, die heute ein iPad besitzen und nutzen. Egal, ob beruflich oder privat. Ob das daran liegt, dass es diesen Einsatzbereich wirklich für ein Produkt gibt, oder ob Apple mit seinem Produkt einen Einsatzbereich für selbiges geschafft hat, sei jetzt mal zur Diskussion gestellt.

Es ist wirklich schwer, Produkte für Zielgruppen zu entwerfen. Meistens wissen die Leute nicht, was sie wollen, bis man es ihnen zeigt

Steve Jobs, 1998, in der Business Week

So war es auch mit meinem iPad Pro

Als ich mir letztes Jahr ein iPad Pro mit Stift besorgte, hatte ich eigentlich ganz andere Ideen. Ich wollte zeichnen und Bild-Kompositionen analysieren, aber auch vielleicht die ein oder andere Fotobuch-Rezension hier mit ein paar Scribbles verdeutlichen. Das war so meine Idee. Als das iPad nach ein paar Wochen dann ankam, hatte sich aber eine entscheidene Sache geändert: Ich hatte mein MacBook Pro abgegeben. Eigentlich dachte ich, ich brauche es nicht mehr. Es war bereits abgeschrieben und mit dem Lockdown waren auch alle Konzerte für das Jahr abgesagt, die ich hätte fotografieren sollen oder können. Also ging ich davon aus, dass das iPad Pro mir reichen wird als zweites Gerät neben meiner Workstation. Paar Emails, der ein oder andere Blogpost. Das wird schon gehen, dachte ich.

Ein Trugschluss. Obwohl ich es hätte besser wissen sollen

Es kam wie es kommen musste. Ich bin und bleibe einfach ein Tastatur-Mensch. Ja, ja es gibt auch gute Tastaturen für das iPad Pro, aber wie soll ich damit in der Ecke sitzen oder auf der Couch, das geht mit einem MacBook einfach besser. Punkt. Und das musste ich hoffentlich jetzt zum letzten Mal lernen. Weil eigentlich mache ich Fehler ungern doppelt.

Andere Qualitäten des iPad Pros. Danke Leica Q2.

Dafür entdeckte ich dank meiner Leica Q2 aber andere Qualitäten, die ich heute mehr denn je am iPad Pro zu schätzen weiß. Es war eher dem Zufall geschuldet. Mit meiner Leica Q2, dem Nachfolger meiner sehr geliebten Leica Q kamen auch deutlich größere DNGs. Fast doppelt so groß ist jetzt jedes einzelne RAW im Vergleich zum Vorgänger. Das bringt nicht nur neue Anforderungen an die Speicherlösungen, sondern auch deutlich längere Wartezeiten für den Import in den Lightroom Katalog. An Tethered-Shooting ist in meinen Augen mit der Leica Q2 nicht wirklich zu denken. Und hier kommt das iPad Pro zum Einsatz.

Die Leica Q2 hat einen großen Anteil daran, dass das iPad Pro keine Fehlinvestition war
Die Leica Q2 bringt vor allem noch größere RAW Files dank ihrer vielen Megapixel. Dafür funktioniert die Wifi-Schnittstelle deutlich besser als beim Vorgänger.

Dafür bringt es einen anderen Vorteil. Die Leica Fotos-App

Es ging schon bei der Leica Q, aber das lief so schlecht, dass ich es ein bisschen verdrängt hatte. Leica bietet mit der Leica Fotos App eine App für die eigenen Kameras an. Mit der Kann man verschiedene Funktionen der Kamera fernsteuern – je nach Model. Mit einer M sogar Tethered-Wireless Shooten. Aber auch per WiFi auf die Kamera-Karte zugreifen. Und hier wirds praktisch im Zusammenspiel mit der Leica Q2. Einen detaillierteren Einblick in die Leica Fotos App bekommst Du bei Leica direkt.

Die Leica Fotos App ist im Grundgerüst übrigens kostenlos. Wer aber alle Features nutzen möchte, braucht die Pro Version. Der aktuelle Preis für selbige liegt bei ca. 55 Euro im Jahr. Im Verhältnis zur iPad oder Leica Q Investition also definitiv verkraftbar. Natürlich stets mit der Hoffnung verbunden, dass die App Gebühren auch der stetigen Weiterentwicklung und Verbesserung der App zu Gute kommen.

Das iPad Pro als großer Monitor der Leica Q2

Wenn die Verbindung zur Kamera hergestellt ist, kann in wenigen Sekunden eine qualitativ gute Vorschau der Raws von der Kamera auf dem großzügigen Displays des iPad betrachtet werden und sogar markiert. Das geht um ein vielfaches schneller als der Import via Lightroom Katalog zum Beispiel. Das ist für meinen Workflow „On-Location“ mit der Leica Q2 absolut genial. Der Kunde kann direkt die bisher geschossenen Bildern auf einem ordentlich Display bewerten und die Richtung des Shootings bestimmen. Ich habe dafür keine Wartezeit mehr für eine Übertragung auf eine Festplatte oder Ähnliches.

Auch wenn die Leica Fotos App mit Sicherheit nicht zur besten App der Apple App Stores gehört und noch immer einige Baustellen aufweist, macht diese Funktion das Zusammenspiel aus App, Kamera und iPad zu einem wirklich genialen Zeitsparer.

Ich weiß nämlich noch, wie lange ich schon nach Konzerten in stickigen Backstage-Räumen kurz vor Curfew auf den Import der Fotos wartete, um noch schnell fünf Fotos für die Band fertigzumachen, bevors mit dem Tour-Bus schon wieder in die nächste Stadt ging.

Das gehört der Vergangheit an – auch dank Lightroom CC

Jetzt habe ich den Vorteil, dass ich direkt auf dem iPad meine fünf Favoriten raussuchen kann, die DNGs über die Leica Fotos App auf mein iPad Lade und mit der Lightroom CC App von Adobe die DNGs (→ Wikipedia Eintrag über Digital Negative DNG) mit meinen Presets looken kann, bevor ich die bearbeiteten JPGS der Band schicke. Vielleicht ja sogar AirDroppe 😉

Dadurch kann ich den LIghtroom Katalog dann in Ruhe im Hotel anlegen, verschlagworten, sichten und bearbeiten.

Das ist tatsächlich ein Workflow, dessen Vorstellung mich schon jetzt ziemlich optimistisch stimmt. Sobald Konzerte und Touren überhaupt wieder stattfinden können. Vielleicht ist auch das, das große Manko. Aber auch da bin ich optimistisch.

Warum also das iPad Pro doch keine Fehlinvestition war!

Und genau aus diesem einfachen Grund, ist das iPad Pro für mich stand heute gar keine so schlechte Investition mehr. Natürlich ist es nicht günstig, natürlich gibt es auch preiswertere Alternativen, aber allein durch das Zusammenspiel aus Leica Q2, Leica Fotos App und Lightroom CC spart es mir im richtigen Zeitpunkt bei der richtigen Verwendung extrem viel Zeit und sorgt für ein besseres Erlebnis beim Shooting mit Kunden Vorort.

Witziger Weise erleichtert es mir den Arbeitsalltag jetzt an einer Stelle, wo ich vor dem iPad Pro gar nicht wusste, dass es sich mein Arbeitsalltag dort noch verbessern und effizienter gestalten lässt.

Macht mit dieser Information jetzt gerne was ihr wollt, ansonsten stehe ich Euch natürlich für Fragen jederzeit in den Kommentaren zur Verfügung. Glaube aber sicher, dass es mir das iPad hilft, hilft es Euch mit Sicherheit auch. Und wenn es nur der Anstoß ist, noch einmal über den eigenen Workflow nachzudenken.

Warum das iPad Pro keine Fehlinvestition war
Das Apple iPad Pro ist zweifellos ein schönes Produkt. Den richtigen Einsatz entscheidet am Ende aber der Nutzer. Warum für mich das iPad Pro am Ende doch keine Fehlinvestition war?

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